Ein neues Abenteuer: Salam Haifa!

„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ Kurt Tucholsky

Nun sitze ich hier und es ist verrückt, heute um diese Zeit werde ich in Haifa sein. Tausend Gefühle spielen sich die letzten Tage in mir ab: Vorfreunde, Nervosität, Angst, Unsicherheit, Trauer…

Dieses tolle Foto von den Bahai Garden in Haifa habe ich letzte Jahr auf meiner Reise gemacht; wie ihr seht: Gar nicht so übel da 😉

IMG_20170316_111251_672.jpg

 

Raus aus der Comfortzone

Als ich vor etwa einem halben Jahr nach einem ewigen Bewerbungsprozess dann endlich die Zusage erhielt, konnte ich es kaum fassen. Ein Auslandsssemester, für mehrere Monate in einem anderen Land leben, sich neu einfinden müssen, neue Menschen kennenlernen, eine andere Wohnung, andere Sprachen und Straßen, andere Bräuche und Religionen, anders! Einfach was Neues.

Genau das wollte ich schon immer tun. Für viele ist es das normalste der Welt: Auslandssemester in Hongkong, Auslandspraktika in New York, noch ein Auslandssemester, Doubledegrees an verschiedenen Unis der Welt. Ich nenne mich immer wieder gerne einen „Heimscheißer“;) Das heißt nicht, dass ich nicht liebend gerne reise oder Neues entdecke, aber ich finde es dann doch wieder ganz gut mich nicht aus meiner „comfortzone“ bewegen zu müssen. Ein gewohntes Umfeld zu haben, meine Uni zu kennen, die Barbesitzer die mich grüßen, der Dönermann meines Vertrauens, die Buslinien die ich auswenig kenne…,

Als dann damals die Zusage für Haifa kam, war ich völlig aus dem Häuschen, klar freute ich mich, aber so ein bisschen war da der Gedanke: Wenn es nicht klappt, dann kann ich wenigstens allen sagen, dass ich es ja versucht habe. Wieviele unzählige Gespräche ich seitdem mit Freunden und meiner Familie geführt habe, wie aufregend diese Zeit sicherlich werden würde, wie ich ein Visum beantragen werde und irgendwann meine Koffer packen werde. Das war vor etwa einem halben Jahr und plötzlich ist es JETZT! Die Zeit verging wie im Flug und auf einmal finde ich mich vor einem viel zu kleinen Koffer, umgebenen von einem Meer aus Klamotten, Büchern und dem Versuch, mich für die nächsten Monate zu wappnen. Da kann einem mal beim Packen echt ganz anders Zumute werden. Über was mach ich mir Sorgen?

Freundschaften oder nur die Party-Internationals?

Ja, ich werde von Freunden als extrovertiert und offen beschrieben, aber dennoch frage ich mich: Wen werde ich dort kennenlernen, wie wird meine Mitbewohnerin sein, werde ich jemanden finden der mit mir einen Kaffee trinken geht oder werde ich alleine nach den Kursen in der Uni zurückblieben, während die anderen Internationals schon Freundschaften geschlossen haben? Aber auch auf oberflächlichen Smalltalk habe ich weniger Lust, was sich aber wohl zu Beginn schlecht vermeiden lässt. Ich hoffe einfach drauf, dass mir nette Menschen über den Weg laufen!:)

Wer bin ich?

Merkwürdige Frage eigentlich, oder? Aber die letzten Jahre waren bei mir sehr turbulent, Uni-und Städtewechsel, Freunde kamen und gingen, neue Hobbies und Interessen; man verändert sich und ehe man sich versieht ist man plötzlich keine 18 mehr, sondern 26. Ist das der Anflug meiner Quaterlife-Crises?

Ich weiß es nicht, aber ich spüre dass ich immer mehr den Drang habe „raus“ zu gehen. Seit 4 Jahren lebe ich in der gleichen Stadt, keine Frage, die Menschen hier und auch das Städtchen sind mir ans Herz gewachsen, ich fühle mich wohl und hier ist mein Zuhause. Aber ich bin an einem Punkt, an dem ich die Chance nutzen will, die so nie wieder kommen wird: Ein Auslandssemester im Master, mit freundlicher Untersützung meiner Hochschule 😉 Ich möchte das auch nutzen, um mehr über mich selbst rauszufinden und zu sehen, wer ich in den letzten Jahren geworden bin und vor allem: Wie bin ich, wenn ich nicht mehr in meinem bequemen Umfeld bin? Was interessiert mich, wo möchte ich hin? Ein Auslandssemester kann mir vielleicht nicht alles beantworten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein guter Weg ist, um mir selbst näher zu kommen.

Deutsche oder Palästinenserin oder wedernoch?

Diese Frage ist für mich besonders spannend, denn man könnte sagen, dass ich ein „Hybrid“ bin. Damit meine ich meine Wurzeln. Denn so neu und unbekannt ist das Land in das ich reise gar nicht für mich, wie ich tue. Ich bin zwar deutsche Staatsbürgerin und somit auch in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber gleichzeitig schlagen zwei Herzen in meiner Brust; ein deutsches und ein pälästinensisches. Mein Vater kam als 17-Jähriger aus einem Flüchtlingslager in Palästina nach Berlin, um dort zu studieren. Die Verwurzelung seit ich klein bin mit diesem fremden, weitentfernten und faszinierende Land, war immer relativ tief. Fast jedes Jahr flog ich mit meiner Familie dorthin. Ich liebe das gute Essen, das Klima, die Menschen, die Kultur, die Herzlichkeit, die Sprache, die Musik… und dennoch habe ich nie dort gelebt.

Für die Menschen dort war ich das Mädchen, mit dem süßen deutschen Akzent in meinem Arabisch, für die Menschen hier in Deutschland, war ich zwar immer deutsch, aber: „Sag mal, woher kommst du denn? Also ich meine so wirklich. Der Name ist ja nicht deutsch.“

Obwohl es in meinem Alltag meist keine Thematik ist, dass ich andere Wurzeln habe, auf die ich übrigens sehr stolz bin, beschäftigt es mich umso mehr, wie es in Haifa sein wird.

Viele wissen es, viele auch nicht, welch schwieriger politischer und gesellschaftlicher Konflikt in diesem Land, Palästina oder Israel, vorherrscht. Ich denke, dass es beinahe unmöglich sein wird, im Alltag dort einer Positionierung (meinerseits aber auch die Position, die mir andere zuschreiben) zu entkommen. Ich versuche so offen und vorurteilsfrei wie es nur geht, an die Sache ranzugehen, gleichzeitig spüre ich, dass ich das nicht kann und vielleicht auch nicht will.

Auf diesen Gedanken werde ich sicherlich in einem ausführlicheren Blogpost eingehen, da dies eine Thematik ist, die mir sehr am Herzen liegt.

Marhaba Haifa – ich freue mich auf dich

Ich hatte die Ehre, bereits letztes Jahr mit meiner Schwester während unserer 1-monatigen Israelreise einen mehrtägigen Zwischenstop in Haifa machen zu können. Bereits damals hat mir die Stadt direkt am Hafen gefallen und mächtig Eindruck hinterlassen. Dort leben zu dürfen und die Stadt als „Einheimische“ wahrnehmen zu können, wird sicherlich nochmal um einiges spannender und ich bin wirklich mehr als gespannt, was ich die nächsten Monate erleben werde! Und wenn ich an die unglaublichen Strände und die gemütlichen Bars in Haifa denke, wird das Kofferpacken schon um einiges leichter.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s