Lieber später als gar nicht: Angekommen!

Last-Minute Studentvisum

Wer mich kennt weiß, dass ich womöglich ein wenig schusselig bin und gerne alles auf den letzten Drücker erledige: Damit ja auch alles spannend und aufregend bleibt. Dass da das ein oder andere mal schief geht, ist da ja vorprogrammiert.

„Beantragen Sie Ihr Studentenvisum rechtzeitig!“, waren die ersten Worte die mir meine International-Office Beraterin der Uni an mich richtete. „Natürlich“ dachte ich, ich hab doch noch ein halbes Jahr Zeit…!

Um in Israel als Studentin einreisen zu dürfen, benötigt man ein von der israelischen Botschaft ausgestelltes Studentenvisum.

Besitzt man die deutsche Staatsbürgerschaft, muss man dazu muss man eigentlich nur ein Formular von einer Seite ausfüllen, mit persönlichen Daten, einen Nachweis über den Hin-und Rückflug sowie dem Letter of Acceptance der ausländischen Hochschule, ein 5×5 cm Passbild und weil es nichts umsonst gibt noch eine Gebühr von 43 Euro und man braucht einen Reisepass, welcher bei AUSreise noch ein halbes Jahr gültig ist (siehe: Studenten Visum Israel ). 

Wer lesen kann ist im Vorteil

Doof nur, wenn man nicht lesen kann und statt Ausreise Einreise liest, kurz gesagt: Wegen 28 Tagen war mein Reisepass nicht ein halbes Jahr gültig nach Ausreise und mein Visumsantrag wurde mir zurückgesendet. Das bedeute, per Express einen neuen Reispass beantragen, 100 Euro springen lassen und hoffen, dass alles rechtzeitig klappt. In der Regel dauert die Bearbeitung des Visums etwa 10-14 Tage, aber je nachdem was für Arbeit sie eben sonst so zu tun haben oder ob mal wieder ein jüdischer Feiertag ist, kann es zu Verzögerungen kommen.

Zudem ist die Visumsabteilung immer nur telefonisch von 14-16 Uhr erreichbar, wenn man durch die unterschiedlichen Warteschleifen kommt.

Nachdem 2,5 Wochen vergangen waren und es nur noch eine Woche bis zu meinem Hinflug am 18. September sein sollten, wurde ich nervös, sehr nervös. Bisher hatte ich mir eingeredet: Das Visum kommt schon, bald, morgen bestimmt, übermorgen. Aber kein Postbote klingelte, um mir ein Einschreiben vorzulegen.

 Ihr Visum ist leider noch nicht fertig, tut mir leid, Sie werden nicht fliegen können

Als ich dann endlich die Dame der Botschaft erreichte und ich mich nach meinem Pass erkundigte, wurde mir bei Ihrer Auskunft ganz anders: Ein Pass mit dieser Passnummer sei bei Ihnen in der Botschaft nicht eingegangen.

Sie bat mich bei der Post mein Einschreiben zu prüfen. Diese wiederum bestätigte mir den Eingang meines Einschreibens, was zumindest schon mal ein gutes Zeichen war. Also versuchte ich erneut bei der Botschaft anzurufen. Die Dame teilte mir dann mit, dass sie meinen Pass zwar gefunden habe, aber das Visum noch nicht bearbeitet wurde.

Das bedeutete konkret: Ich werde meinen Flug am Montag nicht wahrnehmen können. Dieser Satz und die Nüchternheit, wie er ausgesprochen wurde, waren einfach zu viel für mich. Mitten in der Uni vor der Bib brach ich in den Tränen aus und konnte mich nicht mehr beruhigen. Im gleichen Moment hasste ich mich selbst, dass ich alles bis auf den letzten Drücker rauszögern musste. Die Frau entschuldigte sich, es sei leider nichts zu machen. Ich durfte als Studentin an einer israelischen Universität nicht ohne Stundentenvisum ins Land einreisen.

Können Sie nicht nach Berlin fahren um Ihr Visum zu holen?

Da ich mich nun sowieso nicht mehr auf meine Hausarbeit konzentrieren konnte, beschloss ich Heim zu fahren. Als ich immer noch am Ende mit den Nerven an der Bushaltestelle stand, klingelte mein Handy: Die Botschaft.

Verwundert ging ich ans Telefon. Die Dame erklärte mir, dass mein Visum doch schon bearbeitet wurde aber sie nicht weiß, ob es jemand schaffen würde, es diese Woche zur Post zu bringen. Ob ich denn nicht die Möglichkeit hätte, es selbst aus Berlin zu holen? Irritiert und gleichzeitig erfreut, wies ich höflich daraufhin dass ich leider kein Auto besitzt um 6 Stunden nach Berlin zu fahren und dass es wirklich äußerst klasse wäre, wenn jemand zufällig Zeit hätte, um mein Visum zur Post zu bringen.

Meine zittrige Stimme schien sie zu erweichen und so versprach sie mir, dass sie das Visum mittwochs lossenden werde. Klasse, dacht ich. Dann werde ich am Montag doch fliegen können. Siehst du, nur nicht immer so schnell den Teufel an die Wand malen.

Zu früh gefreut

Ich verließ das Haus nicht mehr. Das Risiko, das Einschreiben verpassen zu können, war mir zu hoch. Nervös schaute ich alle 5 Minuten aus dem Fenster, bei jedem Auto das anhielt. Es wurde Donnerstag- nichts. Das ist normal, versuchte ich mir einzureden. Ich habe ja noch den ganzen Freitag. Als es Freitagnachmittag wurde, wurde ich langsam nervös. Freitags kann man die Visumsabteilung nicht erreichen, weshalb es sinnlos war mich dort zu erkundigen. Gut, aber morgen, samstags wird das Visum sicher kommen. Es kann ja gar nicht anders sein.

Aber als es 15 Uhr wurde und immer noch nichts da war, war mir klar, dass ich es vergessen kann. Sonntags werden keine Einschreiben zugestellt und ich sollte Montagmorgen um 5 Uhr am Flughafen in Stuttgart sein. Ich fühlte mich elendig…, da fiebert man Monate auf diesen einen Abreisetag zu und auf einmal werde alle Pläne durchkreuzt. Ich konnte es mir nicht erklären, weshalb mein Visum noch nicht gekommen war, aber mir blieb nichts anderes übrig als 150 Euro draufzuzahlen und sicherheitshalber erst auf den kommenden Freitag umzubuchen. Bis dahin sollte das Visum doch wohl wirklich da sein. Die Hochzeit von Freunden brachte mich auf andere Gedanken und sonntags konnte ich sowieso nichts bewegen.

Wie man Briefe richtig adressiert

Als Studentin im Master würde ich sagen, dass ich zumindest einen IQ besitze, der einigermaßen in Ordnung ist. Zumindest sollte er dazu ausreichen, einen einfachen Briefumschlag so zu adressieren, dass er auch dahin gesendet wird, wo ich ihn hinsenden möchte. Damit sich die Botschaft Geld spart, muss man beim Visumsantrag einen adressierten, bereits frankierten Rückumschlag mitsenden. Während ich montags verzweifelt darauf wartete, dass es 14 Uhr wurde und ich die Botschaft nach dem Verbleiben meines Visums fragen konnte, klingelte mein Handy wieder: Die Botschaft.

Als mir die Dame am Telefon mitteilte, dass wohl ein Versehen passiert ist und sie mein Visum heute aus dem Postfach der Botschaft geholt hatte, hatte ich genug. Im Trubel hatte ich beide Briefumschläge gleich adressiert,… wie blöd kann man sein?

Wütend auf mich und den Rest der Welt, spielte ich mit dem Gedanken erst gar nicht mehr nach Haifa zu fliegen. Die vielen unglücklichen Misstände waren meines Erachtens ein schlechtes Omen für den Beginn eines Auslandssemesters.

Da wieder ein jüdischer Feiertag anstand und ich Freitagmorgen fliegen musste, wusste ich, dass es wieder knapp werden würde. Ich war am Verzweifeln. Die Dame aus der Botschaft fragte mich, ob es niemanden gäbe der den Pass abholen kann und ihn mit per Express senden kann. Denn sowas macht die Botschaft nicht.

Die beste Freundin der Welt und ein Visum per Express

Soph, einer der tollsten Menschen dieses Planeten und eine meiner besten Freundinnen wohnt in Berlin. Sie ist eine Weltenbummlerin und so gut wie nie zuhause, aber ich wollte mein Glück dennoch versuchen. Nach dem zweiten Klingeln ging sie ran und heulend erklärte ich ihr, was passiert sei. „Kein Problem Schatz, ich google kurz wie weit die Botschaft von mir weg ist. Stell mir eine Vollmacht aus, ich hole deinen Pass und sende ihn per Express. Du hast Glück, übermorgen fahre ich nach Prag.“ 

Wie dankbar ich in dem Moment war, kann man sich vielleicht vorstellen, vielleicht auch nicht. Da die Botschaft wieder geschlossen hatte, konnte Soph den Pass erst mittwochs holen und sendete ihn dann nach Stuttgart, per Express. Das kostet etwa 10-12 Euro und garantiert, dass das Schreiben am nächsten Werktag zugestellt wird.

Als ich donnerstags, also nur einen Tag vor (bereits umgebuchten) Abflug in den Händen hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen. Und Soph? Ich bin dir auf ewig was schuldig!

Und die Moral der Geschicht?

  • Beantragt ein Visum immer rechtzeitig! So früh wie nur möglich!
  • Achtet darauf, dass Briefumschläge richtig adressiert sind
  • Habt die besten Freunde der Welt die euch aus jeglichen Situation retten
  • per Express-Sendungen sind ein wahres Wunder und sie sind ihren Preis wert!
  • Am Ende wird alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es nicht das Ende!
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Ein neues Abenteuer: Salam Haifa!

„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ Kurt Tucholsky

Nun sitze ich hier und es ist verrückt, heute um diese Zeit werde ich in Haifa sein. Tausend Gefühle spielen sich die letzten Tage in mir ab: Vorfreunde, Nervosität, Angst, Unsicherheit, Trauer…

Dieses tolle Foto von den Bahai Garden in Haifa habe ich letzte Jahr auf meiner Reise gemacht; wie ihr seht: Gar nicht so übel da 😉

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Raus aus der Comfortzone

Als ich vor etwa einem halben Jahr nach einem ewigen Bewerbungsprozess dann endlich die Zusage erhielt, konnte ich es kaum fassen. Ein Auslandsssemester, für mehrere Monate in einem anderen Land leben, sich neu einfinden müssen, neue Menschen kennenlernen, eine andere Wohnung, andere Sprachen und Straßen, andere Bräuche und Religionen, anders! Einfach was Neues.

Genau das wollte ich schon immer tun. Für viele ist es das normalste der Welt: Auslandssemester in Hongkong, Auslandspraktika in New York, noch ein Auslandssemester, Doubledegrees an verschiedenen Unis der Welt. Ich nenne mich immer wieder gerne einen „Heimscheißer“;) Das heißt nicht, dass ich nicht liebend gerne reise oder Neues entdecke, aber ich finde es dann doch wieder ganz gut mich nicht aus meiner „comfortzone“ bewegen zu müssen. Ein gewohntes Umfeld zu haben, meine Uni zu kennen, die Barbesitzer die mich grüßen, der Dönermann meines Vertrauens, die Buslinien die ich auswenig kenne…,

Als dann damals die Zusage für Haifa kam, war ich völlig aus dem Häuschen, klar freute ich mich, aber so ein bisschen war da der Gedanke: Wenn es nicht klappt, dann kann ich wenigstens allen sagen, dass ich es ja versucht habe. Wieviele unzählige Gespräche ich seitdem mit Freunden und meiner Familie geführt habe, wie aufregend diese Zeit sicherlich werden würde, wie ich ein Visum beantragen werde und irgendwann meine Koffer packen werde. Das war vor etwa einem halben Jahr und plötzlich ist es JETZT! Die Zeit verging wie im Flug und auf einmal finde ich mich vor einem viel zu kleinen Koffer, umgebenen von einem Meer aus Klamotten, Büchern und dem Versuch, mich für die nächsten Monate zu wappnen. Da kann einem mal beim Packen echt ganz anders Zumute werden. Über was mach ich mir Sorgen?

Freundschaften oder nur die Party-Internationals?

Ja, ich werde von Freunden als extrovertiert und offen beschrieben, aber dennoch frage ich mich: Wen werde ich dort kennenlernen, wie wird meine Mitbewohnerin sein, werde ich jemanden finden der mit mir einen Kaffee trinken geht oder werde ich alleine nach den Kursen in der Uni zurückblieben, während die anderen Internationals schon Freundschaften geschlossen haben? Aber auch auf oberflächlichen Smalltalk habe ich weniger Lust, was sich aber wohl zu Beginn schlecht vermeiden lässt. Ich hoffe einfach drauf, dass mir nette Menschen über den Weg laufen!:)

Wer bin ich?

Merkwürdige Frage eigentlich, oder? Aber die letzten Jahre waren bei mir sehr turbulent, Uni-und Städtewechsel, Freunde kamen und gingen, neue Hobbies und Interessen; man verändert sich und ehe man sich versieht ist man plötzlich keine 18 mehr, sondern 26. Ist das der Anflug meiner Quaterlife-Crises?

Ich weiß es nicht, aber ich spüre dass ich immer mehr den Drang habe „raus“ zu gehen. Seit 4 Jahren lebe ich in der gleichen Stadt, keine Frage, die Menschen hier und auch das Städtchen sind mir ans Herz gewachsen, ich fühle mich wohl und hier ist mein Zuhause. Aber ich bin an einem Punkt, an dem ich die Chance nutzen will, die so nie wieder kommen wird: Ein Auslandssemester im Master, mit freundlicher Untersützung meiner Hochschule 😉 Ich möchte das auch nutzen, um mehr über mich selbst rauszufinden und zu sehen, wer ich in den letzten Jahren geworden bin und vor allem: Wie bin ich, wenn ich nicht mehr in meinem bequemen Umfeld bin? Was interessiert mich, wo möchte ich hin? Ein Auslandssemester kann mir vielleicht nicht alles beantworten, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein guter Weg ist, um mir selbst näher zu kommen.

Deutsche oder Palästinenserin oder wedernoch?

Diese Frage ist für mich besonders spannend, denn man könnte sagen, dass ich ein „Hybrid“ bin. Damit meine ich meine Wurzeln. Denn so neu und unbekannt ist das Land in das ich reise gar nicht für mich, wie ich tue. Ich bin zwar deutsche Staatsbürgerin und somit auch in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber gleichzeitig schlagen zwei Herzen in meiner Brust; ein deutsches und ein pälästinensisches. Mein Vater kam als 17-Jähriger aus einem Flüchtlingslager in Palästina nach Berlin, um dort zu studieren. Die Verwurzelung seit ich klein bin mit diesem fremden, weitentfernten und faszinierende Land, war immer relativ tief. Fast jedes Jahr flog ich mit meiner Familie dorthin. Ich liebe das gute Essen, das Klima, die Menschen, die Kultur, die Herzlichkeit, die Sprache, die Musik… und dennoch habe ich nie dort gelebt.

Für die Menschen dort war ich das Mädchen, mit dem süßen deutschen Akzent in meinem Arabisch, für die Menschen hier in Deutschland, war ich zwar immer deutsch, aber: „Sag mal, woher kommst du denn? Also ich meine so wirklich. Der Name ist ja nicht deutsch.“

Obwohl es in meinem Alltag meist keine Thematik ist, dass ich andere Wurzeln habe, auf die ich übrigens sehr stolz bin, beschäftigt es mich umso mehr, wie es in Haifa sein wird.

Viele wissen es, viele auch nicht, welch schwieriger politischer und gesellschaftlicher Konflikt in diesem Land, Palästina oder Israel, vorherrscht. Ich denke, dass es beinahe unmöglich sein wird, im Alltag dort einer Positionierung (meinerseits aber auch die Position, die mir andere zuschreiben) zu entkommen. Ich versuche so offen und vorurteilsfrei wie es nur geht, an die Sache ranzugehen, gleichzeitig spüre ich, dass ich das nicht kann und vielleicht auch nicht will.

Auf diesen Gedanken werde ich sicherlich in einem ausführlicheren Blogpost eingehen, da dies eine Thematik ist, die mir sehr am Herzen liegt.

Marhaba Haifa – ich freue mich auf dich

Ich hatte die Ehre, bereits letztes Jahr mit meiner Schwester während unserer 1-monatigen Israelreise einen mehrtägigen Zwischenstop in Haifa machen zu können. Bereits damals hat mir die Stadt direkt am Hafen gefallen und mächtig Eindruck hinterlassen. Dort leben zu dürfen und die Stadt als „Einheimische“ wahrnehmen zu können, wird sicherlich nochmal um einiges spannender und ich bin wirklich mehr als gespannt, was ich die nächsten Monate erleben werde! Und wenn ich an die unglaublichen Strände und die gemütlichen Bars in Haifa denke, wird das Kofferpacken schon um einiges leichter.